Negativzinsen einfach erklärt

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Negativzinsen sind Gebühren, die Banken auf Ihr Guthaben erheben, wenn Sie einen bestimmten Freibetrag überschreiten.
  • Der Grund dafür ist, dass Banken in diesen Fällen selbst Strafzinsen zahlen müssen und diese Kosten an ihre Kunden weitergeben.
  • Wie hoch der Freibetrag ist, legt jede Bank für sich selbst fest.

Was sind Negativzinsen?

Negativzinsen (umgangssprachlich auch Strafzinsen oder Minuszinsen genannt) sind Gebühren, die Banken auf höhere Guthaben erheben können, wenn ein bestimmter Freibetrag überschritten wird. Statt Zinsen auf ihr Guthaben zu erhalten, müssen Kundinnen und Kunden in diesem Fall dafür bezahlen, dass ihr Geld auf dem Konto liegt.

Hintergrund dafür ist die Zinspolitik im Finanzsystem. Banken mussten in bestimmten Marktphasen selbst Strafzinsen auf Einlagen zahlen, etwa wenn sie überschüssiges Geld bei Zentralbanken hinterlegt haben. Diese zusätzlichen Kosten wurden teilweise an Kundinnen und Kunden weitergegeben, insbesondere bei sehr hohen Kontoguthaben.

Anders als bei klassischen Sparformen wächst das Guthaben nicht durch Zinsen. Stattdessen kann es sich über die Zeit auch ohne Ausgaben verringern. Negativzinsen werden deshalb häufig auch als Strafzinsen, Minuszinsen oder Verwahrentgelt bezeichnet.

Warum gibt es Negativzinsen?

Negativzinsen sind in vielen Fällen eine Folge der Geldpolitik von Zentralbanken. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden Leitzinsen bewusst sehr niedrig angesetzt, um Investitionen, Kreditvergabe und Konsum anzukurbeln.

Für Banken kann es dadurch unattraktiv oder sogar kostenintensiv werden, größere Geldbeträge sicher zu verwahren. In solchen Marktphasen können deshalb Gebühren auf hohe Guthaben entstehen. Auch wenn Negativzinsen aktuell kaum verbreitet sind, können sie in bestimmten Ländern, bei speziellen Anlageformen oder in zukünftigen wirtschaftlichen Krisenzeiten wieder auftreten.

Gut zu wissen

BGH-Urteil: Negativzinsen auf Tagesgeld- und Sparkonten unzulässig

Der deutsche Bundesgerichtshof hat im Februar 2025 entschieden, dass Negativzinsen auf Tagesgeld– und Sparkonten nicht rechtmäßig sind. Kunden, die solche Gebühren gezahlt haben, können eine Rückerstattung verlangen. Unterstützung und Musterbriefe für die Rückforderung bieten die Verbraucherzentralen.

Wann und für wen gelten Negativzinsen?

Negativzinsen betreffen nicht alle Bankkundinnen und Bankkunden gleichermaßen. Sie spielen vor allem bei höheren Guthaben eine Rolle – sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen. Auch bestimmte Geldanlagen, etwa Staatsanleihen, können zeitweise von negativen Zinsen betroffen sein.

Wer kann von negativen Zinsen betroffen sein?

  • Privatkunden: Negativzinsen fallen meist erst ab einem bestimmten Guthabenbetrag an. Je nach Bank können beispielsweise Guthaben ab 25.000 oder 50.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten betroffen sein.
  • Firmenkunden: Unternehmen sind häufig stärker betroffen. Hier können Banken teilweise bereits ab niedrigeren Guthabenbeträgen Gebühren auf Einlagen erheben.
  • Anleger: Auch bei bestimmten Staatsanleihen können negative Renditen auftreten. In solchen Fällen erhalten Anleger am Ende weniger Geld zurück, als sie ursprünglich investiert haben.

Auf welchen Konten können Negativzinsen anfallen?

Negativzinsen können grundsätzlich bei verschiedenen Kontotypen auftreten. Auf Girokonten können Banken Gebühren verlangen, wenn dauerhaft sehr hohe Guthaben gehalten werden. Tagesgeldkonten waren in der Vergangenheit häufiger betroffen, da sie oft für das kurzfristige Parken größerer Geldbeträge genutzt werden. Festgeldkonten sind dagegen seltener betroffen, da sie meist feste Zinssätze für eine definierte Laufzeit bieten.

Wie werden Negativzinsen berechnet?

Die Berechnung erfolgt meist nur auf den Guthabenanteil, der über einem festgelegten Freibetrag liegt.

Beispiel:

Auf einem Konto befinden sich 80.000 Euro Guthaben. Die Bank gewährt einen Freibetrag von 60.000 Euro, auf den keine Negativzinsen berechnet werden. Der darüberliegende Betrag von 20.000 Euro wird mit einem Negativzins von 0,5 Prozent pro Jahr belastet.

Das bedeutet:

0,5 Prozent von 20.000 Euro entsprechen 100 Euro pro Jahr.

Wird der Betrag monatlich berechnet, entspricht das rund 8,33 Euro pro Monat (100 Euro geteilt durch 12).

Auswirkungen auf das eigene Vermögen

Negative Zinsen bedeuten, dass Guthaben auf einem Konto mit der Zeit sinken kann. Statt Zinsen zu erhalten, müssen Kontoinhaber in diesem Fall eine Gebühr für die Verwahrung ihres Geldes zahlen. Das kann sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf das persönliche Vermögen haben.

Direkt führt dies dazu, dass sich das Guthaben auf dem Konto verringert, obwohl kein Geld ausgegeben wird. Indirekt machen Negativzinsen das klassische Sparen weniger attraktiv, da Guthaben ab einer bestimmten Höhe nicht mehr wächst, sondern schrumpfen kann. Besonders Sparerinnen und Sparer mit hohen Beträgen auf dem Konto können dadurch spürbare finanzielle Einbußen haben.

So können Sie Negativzinsen vermeiden/reduzieren

  • 1. Bankkonto und Konditionen vergleichen

    Viele Banken haben in der Vergangenheit Verwahrentgelte auf hohe Guthaben erhoben – allerdings nicht alle. Zudem unterscheiden sich die Freibeträge je nach Bank teilweise deutlich. Ein Vergleich der Konditionen kann sich daher lohnen.

    Eine weitere Möglichkeit kann darin bestehen, Guthaben auf mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken zu verteilen und so mehrere Freibeträge zu nutzen.

  • 2. Geld gezielt investieren

    Statt Kapital dauerhaft auf einem Konto mit möglichen Negativzinsen zu belassen, kann es sinnvoll sein, das Geld in Anlagen mit Ertragschancen umzuschichten. Dazu können beispielsweise gehören:

    Welche Anlageform geeignet ist, hängt immer von der persönlichen Situation, dem Anlageziel und der Risikobereitschaft ab.

  • 3. Geplante Investitionen vorziehen

    Wer ohnehin größere Ausgaben plant, kann vorhandenes Guthaben gezielt dafür einsetzen. Ein Beispiel ist die Modernisierung einer Immobilie oder andere langfristige Investitionen in den eigenen Lebensstandard.

    In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, Geld für solche Projekte zu verwenden, anstatt es auf Konten zu belassen, auf denen möglicherweise Negativzinsen anfallen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Negativzinsen

  • Was sind Negativzinsen einfach erklärt?

    Negativzinsen bedeuten, dass Guthaben auf einem Konto nicht verzinst wird, sondern Kosten entstehen können. Statt Zinsen zu erhalten, zahlen Kundinnen und Kunden in bestimmten Fällen eine Gebühr für hohe Guthaben auf ihrem Konto.

  • Sind Negativzinsen und Strafzinsen dasselbe?

    Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. „Negativzinsen“ ist der fachliche Begriff, während „Strafzinsen“ eher umgangssprachlich genutzt wird. Banken verwenden häufig auch den Begriff Verwahrentgelt.

  • Auf welchen Konten können Negativzinsen entstehen?

    Negativzinsen konnten in der Vergangenheit vor allem auf Girokonten und Tagesgeldkonten mit hohen Guthaben auftreten. Festgeldkonten waren seltener betroffen, da sie meist feste Zinssätze über eine bestimmte Laufzeit bieten.

  • Wie werden Negativzinsen berechnet?

    Negativzinsen werden in der Regel nur auf den Teil des Guthabens berechnet, der über einem Freibetrag liegt. Beispiel: Liegt der Freibetrag bei 60.000 Euro und das Guthaben bei 80.000 Euro, werden Negativzinsen nur auf die 20.000 Euro oberhalb des Freibetrags berechnet.

  • Gibt es aktuell noch Negativzinsen?

    Ob Negativzinsen erhoben werden, hängt von der aktuellen Zinsentwicklung und der Geldpolitik ab. In Phasen steigender Zinsen sind Negativzinsen meist weniger verbreitet, grundsätzlich können sie aber in bestimmten Marktphasen wieder auftreten.

  • Warum muss ich auf mein Erspartes Zinsen zahlen?

    Vor einigen Jahren mussten Banken selbst Negativzinsen an die Europäische Zentralbank zahlen, wenn sie dort Geld hinterlegten. Diese Kosten gaben sie an ihre Kunden weiter, sobald das Guthaben auf dem Konto bestimmte Freibeträge überschritt. Seit 2022 ist das nicht mehr der Fall, da die EZB den Leitzins wieder angehoben hat. Aktuell (Stand: 2025) erheben die meisten Banken keine Strafzinsen mehr.

  • Ab welchem Betrag fallen Negativzinsen an?

    Das hängt von der jeweiligen Bank ab. In der Vergangenheit lagen Freibeträge häufig zum Beispiel bei 25.000 Euro, 50.000 Euro oder darüber. Negativzinsen wurden meist nur auf den Betrag berechnet, der über diesem Freibetrag lag.

  • Wie kann ich Negativzinsen vermeiden?

    Sie können Ihr Geld auf mehrere Konten verteilen, eine Bank ohne Negativzinsen wählen oder in andere Geldanlagen investieren.

  • Welche Alternativen zum Sparguthaben gibt es?

    Statt das Geld auf dem Konto zu lassen, können Sie es in Anlagen wie ETFs, Immobilien oder festverzinsliche Wertpapiere stecken.