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AllgemeinHinter den Kulissen

Wildwasser Nürnberg e.vDie am 19.05.2015 veröffentlichten Zahlen der Deutschen Kinderhilfe gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt sind erschreckend: 14.395 Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder sind 2014 in Deutschland erfasst worden. Zwar ist die Zahl im Vergleich zu 2013 zurückgegangen, aber Rainer Becker, der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, geht davon aus, dass die wahre Anzahl der Misshandlungen von Kindern fast zwanzig Mal so hoch ist – eine erschreckend hohe Dunkelziffer. Auch sind nicht nur Kinder von derartiger Gewalt betroffen. Laut einer im März 2014 veröffentlichten repräsentativen Studie der Europäischen Grundrechteagentur (FRAU) zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen in Europa, haben 33% der Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Das entspricht in etwa 62 Millionen Frauen. Ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird und in der Gesellschaft noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Worüber fast noch weniger gesprochen wird, ist das Engagement derjenigen, die gegen solches Leid vorgehen und den oftmals lebenslang traumatisierten Opfern helfen. Einen Grund mehr unseren Blog zu nutzen und Wildwasser e.V. in Nürnberg vorzustellen:

Fast wie ein kleines gallisches Dorf kämpft die Fachberatungsstelle für Mädchen und Frauen gegen sexuellen Missbrauch und sexualisierte Gewalt für die Betroffenen und für mehr Bewusstsein und Aufklärung. Eine Mammut-Aufgabe. Um mehr zu erfahren, habe ich die Beratungsstelle von Wildwasser Nürnberg e.V. kürzlich besucht.

 

Rosi Ringer und ihre Kollegin Dagmar Stöhr empfangen mich herzlich und ich fühle mich in den hellen und freundlichen Räumlichkeiten im Nürnberger Norden sofort super wohl. Jede Beraterin hat ihr eigenes Büro, um in der notwendigen Privatsphäre mit den Betroffenen sprechen und ihnen eine geschützte Atmosphäre bieten zu können. In den Beratungsgesprächen wird nur selten über den Missbrauch an sich gesprochen. Die Beraterinnen helfen den Mädchen und Frauen in erster Linie dabei, mit den Erfahrungen und dem Schmerz umzugehen, um im Leben weiterzukommen und positiv in die Zukunft zu blicken. Sie gehen auf jede Hilfesuchende empathisch ein, unterstützen sie, aber auch deren Angehörige und Freunde, die Situation zu verarbeiten. Denn viele Mädchen und Frauen flüchten sich in Schweigen und bringen nicht die Kraft auf sich jemandem zu öffnen. Viele schämen sich, fühlen sich vielleicht sogar schuldig. Umso wichtiger sind Beratungsstellen wie Wildwasser, um den Heilungs- und Verarbeitungsprozess anzustoßen und zu begleiten.

 

Wildwasser e.V. hilft seit über 25 Jahren Mädchen und Frauen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind – und das kostenfrei. Der Verein finanziert sich hauptsächlich über freiwillige Zuschüsse öffentlicher Gelder. Ein Fünftel generiert der Verein selbst durch bspw. Honorare für Veranstaltungen, Spendenakquise und den Verkauf von Publikationen. Das schafft man nur, wenn man ein kreatives und engagiertes Team hat, bestehend aus Multitalenten, mit denen Wildwasser e.V. wirklich gesegnet ist. Insgesamt arbeiten fünf hauptamtliche Sozialpädagoginnen, eine Verwaltungsfachkraft sowie neun freie und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen für den Verein.

 

Ihre Tätigkeit konzentriert sich auf vier Kernbereiche:

 

  1. Beratung von
    1. betroffenen Mädchen
    2. betroffenen erwachsenen Frauen
    3. Familienangehörigen und anderen Vertrauenspersonen
    4. Pädagogischen Fachkräften und anderen Berufsgruppen
  2. Gruppenangebote
    1. Selbsthilfegruppen
    2. Workshops
    3. Gruppenangebote für betroffene Mädchen
  3. Prävention
    1. Praxisberatung
    2. Elterninformationsabende
    3. Fortbildungen
    4. Präventionspakete für Grundschulen und Elementar
    5. Präventionsfaltblatt für Kinder „ Hände weg von mir“
  4. Information und Fortbildung
    1. Informationsveranstaltungen
    2. Fortbildungen für Einzelpersonen und Einrichtungen
    3. Fachübergreifende Vernetzung und Kooperationen

Der Verein ist für jede Unterstützung dankbar. Und das kann man auf ganz unterschiedliche Art und Weise tun. Ob durch eine einmalige Geldspende oder auch nur Mundpropaganda, wird es Wildwasser ermöglicht ihre wertvolle Arbeit weiter fortzuführen. Wem das nicht genug ist, kann entweder als passive Förder-Mitfrau jährlich finanziell unterstützen, oder als aktive Mitfrau auch durch Mitarbeit einen Beitrag leisten. Mehr Informationen findet Ihr unter: http://wildwasser-nuernberg.de/

 

Mein Besuch bei Frau Ringer und Frau Stöhr vergeht wie im Fluge. Ich werde von ihrer positiven Energie regelrecht angesteckt und bin von ihrem Willen zu helfen und etwas zu bewirken, total beeindruckt. Es macht Mut zu wissen, dass es Menschen wie sie gibt, die sich mit so viel Herzblut und Herzlichkeit für eine derart wichtige Sache einsetzen.

Gesprächssituation

Annemarie Moltz (easyCredit), Dagmar Stöhr und Rosi Ringer (Wildwasser e.V.)