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Von Marco Kreyer unter:
Nachgefragt bei...Tipps und Tricks

Gewaltprävention ist ein Dauerthema – nicht nur nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderen Großstädten. Wie kann ich mich schützen? Was kann ich tun, damit mein Kind nicht Opfer von Gewalt wird? Was sollte ich unternehmen, wenn ich den Verdacht habe, dass mein Kind Gewalt erfahren hat oder sogar sexuell missbraucht wurde?

Im Rahmen der Initiative Beruf & Familie hat die Polizeihauptkommissarin Heike Krämer den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von easyCredit in Infoveranstaltungen Tipps gegeben. Im Anschluss war noch Zeit für ein kurzes Interview.

Fünf Fragen von Marco Kreyer an Polizeihauptkommissarin Heike Krämer, Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder beim Polizeipräsidium Mittelfranken.

Marco Kreyer: Frau Krämer, welche Tipps können Sie geben, um sich selbst zu schützen und nicht zum Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden?

Heike Krämer: Treten Sie selbstsicher auf und zeigen Sie dies durch eine aufrechte Haltung und Blickkontakt. Sprechen Sie laut und deutlich und zeigen Sie so dem Angreifer die Grenzen auf. Wichtig ist es auch, eine Distanz zum Täter aufzubauen, indem Sie ihn „siezen“. Sehr hilfreich ist es zudem, Passanten als Hilfspersonen direkt und ganz konkret anzusprechen, z.B. „Sie mit dem roten T-Shirt, rufen Sie die Polizei“. Durch lautes Schreien können Sie den Täter aus dem Konzept bringen. Und falls es möglich ist, sollten Sie flüchten. Hierbei gibt es eine einfache Regel der drei „L“: flüchten Sie dorthin, wo Sie am ehesten Hilfe erwarten können, z.B. ein Geschäft oder eine Tankstelle oder allgemein einen Ort, an dem Licht, Lärm und Leute sind. Versuchen Sie sich das Aussehen des Täters und dessen Fluchtrichtung genauestens zu merken und verständigen Sie sofort die Polizei über die 110 – auch bei vermeintlich „kleinen“ Vorfällen. Sexualstraftäter sind beispielsweise oft Serientäter, die sich vermutlich wieder an Frauen vergreifen werden. Wenn Sie gezwungen sind, körperliche Gewalt anzuwenden, dann versuchen Sie diese immer konsequent und mit ganzer Kraft auszuüben. Das hört sich nicht gerade leicht an, aber wenn Sie Gegenstände, wie Schlüssel, Schirm oder eine Tasche zur Hilfe nehmen, kann dies sehr nützlich sein. Alle bislang bekannten Forschungen haben nicht ergeben, dass Gegenwehr zu einer Gewalteskalation führt. Ob Sie sich aktiv gegen einen körperlichen, sexuellen Übergriff zur Wehr setzen, ist ganz alleine Ihre Entscheidung und hängt von vielen Faktoren ab.

Marco Kreyer: Haben Sie Ratschläge, was ich tun kann, wenn ich z.B. in der Bahn oder generell in der Öffentlichkeit beobachte, wie jemand sexuell belästigt, geschlagen oder attackiert wird?

Heike Krämer: Verständigen Sie sofort die Polizei über den Notruf 110 oder nutzen Sie Taximelder oder Telefonzellen. Wenn Sie glauben, dem Täter nicht gewachsen zu sein, dann halten Sie sich zurück. Schätzen Sie ihre eigenen Fähigkeiten, insbesondere ihre Stärke ein und vertrauen Sie Ihrer Intuition. Zivilcourage ist wichtig – schließlich könnten Sie selbst einmal Opfer einer Straftat sein – aber nicht um jeden Preis. Wenn Sie sich entscheiden, dem Opfer zu helfen, dann gelten grundsätzlich die gleichen bereits genannten Tipps wie bei einem Angriff auf einen selbst. Zusätzlich hat es sich bewährt, den Täter nicht direkt anzugehen, sondern das Opfer aus der „Gefahrenzone“ zu nehmen. Gemeinsam ist man stärker. Deshalb gilt auch in dieser Situation, Passanten gezielt anzusprechen. Schauen Sie bewusst hin. Versuchen Sie sich das Aussehen des Täters und dessen Fluchtrichtung so gut wie möglich zu merken und machen Sie – falls möglich – ein Foto oder ein Video mit dem Smartphone vom Täter. Verfolgen Sie den Täter nicht alleine, sondern holen Sie weitere Helfer dazu. Schließlich sind Sie ein wichtiger Zeuge für die Polizei. Deshalb gebe ich Ihnen den Tipp, sich zu Hause in aller Ruhe alles zu notieren, was Sie gesehen und gehört haben. Diese Notizen können ihnen die Anspannung nehmen und ihr Gedächtnis entlasten, falls sie bei einer späteren Gerichtsverhandlung als Zeuge aussagen müssen.

Kinder vor Gewalt schützen

Marco Kreyer: Als Erwachsener kann man aufgrund der eigenen Lebenserfahrung viele knifflige Situationen gut einschätzen. Aber wie kann ich mein Kind schützen? Welche Tipps können Sie hier geben?

Heike Krämer: Sprechen Sie mit Ihrem Kind und weisen Sie auf gefährliche Situationen hin. Dazu gehört auch eine angstfreie Erziehung. Fördern Sie das Selbstbewusstsein und das Vertrauen Ihres Kindes. Eine wichtige vorbeugende Maßnahme ist auch eine sachgerechte und altersgemäße Sexualerziehung. Wir haben seitens der Polizei weitere Punkte schriftlich zusammengetragen, die Eltern wichtige Tipps geben können.

Marco Kreyer: Letztlich müssen Kinder lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Dies bedingt auch, dass Eltern lernen müssen, loszulassen. Das fällt nicht immer leicht. Aus Ihrer Erfahrung heraus: wie kann ich meine Kinder behutsam darauf vorbereiten, selbständiger zu werden und trotzdem vorsichtig zu sein?

Heike Krämer: Es gibt sieben Präventionsgrundsätze, an denen sich Eltern gut orientieren können:

  • Dein Körper gehört Dir!
  • Deine Gefühle sind wichtig!
  • Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen!
  • Du hast das Recht, „NEIN“ zu sagen!
  • Es gibt blöde und gute Geheimnisse!
  • Sprich darüber, hol Dir Hilfe!
  • Du bist nicht schuld!

Welche weiteren Tipps wir seitens der Polizei geben können, haben wir in weiteren Dokumenten zusammengefasst.

Marco Kreyer: Nehmen wir mal an, ich habe den schlimmen Verdacht, dass mein Kind Opfer körperlicher Gewalt geworden ist oder sogar sexuell missbraucht wurde. Wie soll ich reagieren? Was kann ich machen?

Heike Krämer: Helfen Sie betroffenen Kindern, indem Sie ihre Andeutungen und Äußerungen ernst nehmen. Hören Sie ihnen zu und schenken Sie ihnen unbedingt Glauben. Auf jeden Fall sollten Sie Vorwürfe und Schuldzuweisungen vermeiden und Ruhe bewahren – trotz der emotionalen Situation. Bringen Sie das Thema spielerisch ein, nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie nicht mit dem Kind „zwischen Tür und Angel“. Offene Fragen, die nicht einsilbig mit ja oder nein beantwortet werden können, lassen Ihrem Kind die Möglichkeit, mehr Details preiszugeben. Setzen Sie aber Ihr Kind nicht mit Fragen unter Druck. Notizen im Nachgang – möglichst in der Sprache des Kindes – erleichtern die Arbeit der Polizei. Bei der Strafanzeige können Sie außerdem durch eigene Beobachtungen, z.B. Kfz-Kennzeichen oder Personenbeschreibungen, die Arbeit der Polizei unterstützen. Denken Sie auch daran, einen Arzt aufzusuchen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob beispielsweise tatsächlich ein Missbrauch vorliegt oder wie Sie weiter vorgehen sollen, können Sie die Möglichkeit einer „Helferkonferenz“ nutzen. Unterstützung erhalten Sie bei der Beratungsstelle Ihres Polizeipräsidiums und den Beauftragten der Polizei für Frauen und Kinder. Es handelt sich hierbei um Kriminalbeamten, die bei einem Anfangsverdacht Ermittlungen einleiten müssen. Außerdem bieten Jugendämter, Sozialdienste und spezielle Bildungseinrichtungen, Opferhilfsorganisationen sowie Ehe- und Familienberatungsstellen professionelle Hilfe an. Scheuen Sie sich nicht davor, die angebotene Unterstützung anzunehmen.

Marco Kreyer: Vielen Dank für das Gespräch und die umfangreichen Informationen.

 

2 Anhänge

  • Schutz vor Fremden
  • Grundsätzliche Tipps