easyCredit-Blog

Von Manuel Mazoll unter:
Hinter den Kulissen

2015-06-26 Werbeanzeige Projekt.SchuldDas Thema ist aktueller denn je. Rettungsschirm, Überschuldung, Umschuldung, Schuldenschnitt – zwischen all den Begrifflichkeiten, um die sich die aktuelle Diskussion in der Finanzkrise dreht, wird eine Größe allzu gerne vergessen: und das sind die Menschen, die unter dieser Krise leiden.

 

Dabei sind es doch sie – ob Bevölkerung, Gastarbeiter oder Flüchtlinge – die die Folgen der europäischen Finanzkrise in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien am meisten spüren und sich häufig perspektivlos und verzweifelt fühlen. Genau diesen Menschen nimmt sich das Theaterstück „Projekt.Schuld“ der Hans-Böckler-Schule in Fürth an, einer der diesjährigen Preisträger des easyCredit-Preis für Finanzielle Bildung. Das provokante Startbild des Stücks: ein verzweifelter Mann, der seine Situation nicht mehr ertragen kann und sich selbst in Brand steckt.

 

Harter Stoff für junge Leute möchte man denken. Doch die 19 Schüler der 8. bis 10. Klassen schaffen bei der Premiere am 01. Juli 2015 im Fürther Stadttheater den Spagat zwischen Emotionalität und Nachdenklichkeit ohne dabei mit dem Zeigefinger zu zeigen. Sie spinnen diesen fragilen Faden zwischen persönlichen Befindlichkeiten in Deutschland und den Krisenländern und merken, wie schnell er doch reißt. Die Perspektiven könnten unterschiedlicher nicht sein. In Deutschland trauern Jugendliche um ihre Nikes, die sie nicht haben können, in Griechenland Mütter um ihre Kinder, die sie kaum versorgen können.

 

Um das Stück so authentisch wie möglich auf die Bühne bringen zu können, sind die Schüler ins gebeutelte Portugal gereist und haben den Verfall des Landes und die Auswanderung junger, verzweifelter Menschen hautnah erlebt. Hier haben sie aber auch erfahren, wie trotz der zum Teil ausweglosen Situation Menschen mit wenig Mitteln zufrieden und zudem gastfreundlich sind. Über ein Jahr arbeiteten die Schüler und ihre Lehrer an dem Theaterstück, bei Fragen zu finanziellen Themen und Zusammenhängen wurden sie vor allem von der Raiffeisen-Volksbank Fürth unterstützt.

 

Was nach der Vorstellung bleibt ist ein mulmiges Gefühl und die Frage, wie solche Zustände in der Europäischen Union, dem Friedensnobelpreisträger und Vorzeigeprojekt der letzten Jahrzehnte, bloß möglich sind. Ich hab für mich noch keine befriedigende Antwort gefunden. Vor allem weiß ich auch nicht, was ich persönlich zur Situation beitragen kann – außer nicht zu vergessen.