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Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

 

Vor kurzem habe ich an dieser Stelle vorgestellt, wie junge innovative FinTech-Startups versuchen, den Banken in den Bereichen Kreditgeschäft und Zahlungsverkehr das Leben schwer zu machen. Heute widme ich mich nun dem dritten FinTech-Schwerpunkt, nämlich dem Thema „Persönliches Finanz Management“ (kurz PFM). Andere gebräuchliche Bezeichnungen sind „Personal Finance Management“ oder auch „Elektronisches Haushaltsbuch“.

151216 leichsenring_kleinPFM kommt aus den USA

 

Seinen Ursprung hat PFM in den USA, wo Mint – der Pionier in diesem Bereich – nach eigenen Aussagen inzwischen über vier Millionen Nutzer hat. In Europa entwickelt sich das Thema bislang entsprechend der Internet und Online Banking Durchdringung von Nord nach Süd. Vor allem in den skandinavischen Ländern gab es schon früh zahlreiche PFM-Angebote von Banken und Nichtbanken.

Doch auch bei uns in Deutschland gibt es inzwischen einige Angebote. Die Comdirect Bank war dabei der Erste. Seit dem Frühjahr 2014 bietet die Direktbank ihren Kunden unter der Bezeichnung „Persönlicher Finanzmanager“ PFM integriert im Online Banking an. Inzwischen haben viele Groß- und Direktbanken sowie ein Teil der Genossenschaftsbanken nachgezogen. Nur die Sparkassen tun sich noch schwer mit dem Thema.

 

Was bietet PFM den Kunden?

 

Gegenüber direkt auf dem PC installierten Programmen, wie z.B. Starmoney, handelt es sich bei PFM um erweiterte, hoch automatisierte Web-basierte Tools, die eine persönliche und haushaltsbezogene Budgetierung und Finanzplanung ermöglichen.

Moderne PFM-Lösungen gehen jedoch weit über diese Grundfunktionalitäten hinaus. Sie bieten nicht nur eine weitgehend automatische Kategorisierung persönlicher Einnahmen und Ausgaben verschiedener Konten (Kontokonsolidierung) sowie eine automatische Finanzstatus-Aktualisierung, sondern zeichnen sie sich vor allem durch eine stark vereinfachte Nutzer-freundliche Bedienung aus. Sie weisen den Kunden auf Wunsch zudem automatisch auf Budgetüberschreitungen oder Einsparmöglichkeiten hin und benachrichtigen ihn bei bestimmten Ereignissen im Konto (z.B. Geldeingang) auch auf dem Handy.

Als neuer Trend zeichnet sich außerdem eine Verknüpfung mit Rabatt- und Loyalitätsprogrammen des Einzelhandels ab, durch die Kunden beim Einkauf zusätzlich Geld sparen können.

 

Zwei Ansätze der FinTechs

Im Bereich PFM dominiert in Deutschland das B2B-Geschäft, d.h. Banken arbeiten mit spezialisierten FinTech-Unternehmen zusammen und bieten ihren Kunden entsprechende PFM-Lösungen über den geschützten Bereich des Online Bankings an. Die Comdirect hat ihr PFM z.B. gemeinsam mit dem nordischen Start-up Meniga entwickelt, das derzeit zu den führenden europäischen Anbietern in diesem Bereich zählt. Die genossenschaftliche Bankengruppe nutzt für ihr PFM-Tool ebenfalls Teile eines solchen Startup-Unternehmens.

Aber es gibt auch Angebote, die sich direkt an den Endkunden wenden, z.B. Finanzblick, Kontoalarm, Feelix oder numbrs. Allerdings ist diesen Angeboten bislang wenig Erfolg zuteil, auch weil Kunden in diesem Bereich den Banken mehr Vertrauen entgegenbringen, wie eine Umfrage von IBI Research der Universität Regensburg aus dem Jahr 2014 zeigt.

Allerdings kann sich dies ändern und die etablierten Banken sind daher gut beraten, ihren Kunden entsprechende eigene Angebote zu unterbreiten und weiterzuentwickeln.

In jedem Fall dürfte PFM in Zukunft zum Standard eines guten Online Banking Angebots dazugehören, sind doch die Vorteile für die Kunden erheblich.

 


Im nächsten Teil der Serie stelle ich Ihnen den vierten FinTech-Schwerpunktbereich vor: Die neuen Angebote in der Geld- und Vermögensanlage.

 

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.