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Liquiditätsmanagement

FinTech: Bedrohung oder Chance für etablierte Finanzdienstleister – Teil 2

 

Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

 

151202 Blogpost leichsenring_kleinSogenannte FinTech-Unternehmen machen den Banken und Sparkassen im Zuge der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen zunehmend das Leben schwer(er).

 

Junge Start-ups mit pfiffigen, innovativen Lösungen versuchen (wie hier berichtet), den Finanzsektor zu verändern. Ziel dieser FinTech-Unternehmen ist es, Bankleistungen über den Vertriebskanal Internet anzubieten. Im Rahmen einer Artikelreihe sollen die Schwerpunkte der FinTech-Unternehmen präsentiert werden.

Heute möchte ich den Bereich Kreditgeschäft herausgreifen und näher beschreiben.

 

Schwerpunkt Kreditgeschäft

Der Kreditbereich zählt zu den ursprünglichsten Bereichen der Banken und Sparkassen, heißen diese nicht ohne Grund Kreditinstitute und sind im Kreditwesengesetz geregelt. FinTech-Startups sind normalerweise selbst keine Banken, sehen aber dennoch für sich zahlreiche Ansatzpunkte, auch in diesem Segment Marktanteile zu gewinnen.

 

Peer-to-Peer-Lending

Unternehmen wie Smava, Lendigo oder Auxmoney versuchen in Deutschland sogenanntes Peer-to-Peer-Lending (P2P) zu etablieren. Dabei werden Kreditgeber und –nehmer direkt und unter Umgehung der Kreditinstitute direkt miteinander in Verbindung gebracht. Grundsätzlich können hier wie im klassischen Kreditgeschäft sogar Sicherheiten gegeben werden.

 

Crowdfunding

Als Crowdfunding bezeichnet man Projekte, für die über das Internet nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht wird. Meist erfolgt die Sammlung von Geldern nicht direkt, sondern über Plattformen.

Grundsätzlich lassen sich hierbei vier Modelle unterschieden:

  • Donation-Based Crowdfunding ist ein anderer Name für Spendensammlung.
  • Reward-Based Crowdfunding, auch klassisches Crowdfunding genannt. Unterstützer von solchen Projekten erhalten i.d.R. keine finanzielle Gegenleistung, sondern meist eine Sachleistung (z.B. ein erstes Produktmuster oder auch nur ein Supporter-T-Shirt, eine CD oder ähnliches). Eine der bekanntesten Plattformen, vor allem für kreative Projekte ist z.B. Kickstarter.
  • Lending-Based Crowdfunding. Hierbei wird Fremdkapital gesammelt, das zu einem späteren Zeitpunkt zurückgezahlt werden soll. Es handelt sich also um klassische Kredite. Unlängst hat die deutsche Plattform Zencap durch eine 230 Mio. $ Finanzspritze für Aufsehen gesorgt. Sie vermittelt Kredite an kleine und mittlere Unternehmen.
  • Equity-Based Crowdfunding (auch Crowdinvesting genannt). Hier wird Eigenkapital gesammelt. Es handelt sich also um echte Unternehmensbeteiligungen. In Deutschland sind etwa Bergfürst oder Seedmatch in diesem Bereich als Plattform aktiv.

 

Absatzfinanzierung

Im Bereich der Absatzfinanzierung geht es um die Übernahme des Zahlungsvorgangs und die Vorfinanzierung von Händlern durch bestimmte Finanzierungsunternehmen. Diese nehmen den Händlern i.d.R. gleichzeitig das Forderungsmanagement ab.

Spezialanbieter wie z.B. Klarna, Ratepay oder Billpay, bieten hierzulande entsprechende Lösungen an. Speziell in diesem Bereich erscheinen Experten zufolge disruptive Innovationen durchaus möglich.

 

Factoring

Neue Möglichkeiten abseits des Bankensektors ergeben sich auch im Bereich der kurz- und mittelfristigen Liquiditätsbeschaffung. So bieten Unternehmen wie Debitos, Billfront oder Decimo Factoring-Lösungen für unterschiedliche gewerbliche Kundengruppen an, z.B. durch das Angebot einer Plattform, auf der Forderungen ge- und verkauft werden können.

 

Zumindest in einigen Nischen deutet sich an, dass hier den neuen Angeboten tatsächlich eine Nachfrage gegenübersteht. Ob die neuen Anbieter allerdings Erfolg auch nachhaltig und in der Breite erzielen werden, ist offen. Zum einen gibt es unterschiedliche Bewertungen zur Frage, ob in Deutschland wirklich ein Kreditnotstand besteht, zum anderen sind hohe Marketingkosten und fehlende Erfahrungen im Risikomanagement ein Pluspunkt für die etablierten Banken.

Und auch die Bankenaufsicht wird ein wachsames Auge auf die neuen Anbieter haben, damit sie nicht bestehende Gesetzesregeln unterwandern.

 

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.