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Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

 

Spätestens seit der Bekanntgabe von Apple Pay steht fest, dass das kontaktlose Bezahlen mit dem Handy, das sogenannte Mobile Payment, nicht mehr aufzuhalten ist. Bis es hierzulande so weit sein wird, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen, zumal noch einige Hausaufgaben seitens der Beteiligten zu erledigen sind.

 

Drei technische Bestanteile des Mobile Payment

Drei Bestandteile sind beim mobilen Bezahlen notwendig:

  1. Die Datenübertragungstechnologie.
  2. Das Sicherheitselement (Secure Element).
  3. Die Kundenlegitimation und Freigabe der Zahlung.

Mit der Einführung von Apple Pay ist endgültig klar, welches die relevante Zukunftstechnologie sein wird. Nicht der QR Code, sondern Near Field Communication wird zum Einsatz kommen. Dahinter verbirgt sich ein Funkstandard zur drahtlosen Datenübertragung mithilfe sogenannter NFC Chips, die mittlerweile in fast allen modernen Smartphones verbaut sind.

Das sogenannte Secure Element zur Gewährleistung der Sicherheit eines Zahlungsvorgangs, ist im Fall von Apple bereits fest im neuen iPhone enthalten. Bei anderen Lösungen die derzeit noch bestehen, wird dieses z.B. durch das Aufkleben eines entsprechenden Stickers auf das Handy realisiert.

Nun muss der Kunde eine Zahlung nur noch freigeben, bei Apple Pay durch seinen Fingerabdruck, in anderen Fällen durch Eingabe eines PIN Codes oder (z.B. bei Kleinbeträgen) gar nicht.

 

Henne und Ei

Zumindest das in der Vergangenheit viel diskutierte Henne-Ei-Problem scheint gelöst. Dahinter verbarg sich die Frage, was zuerst da sein muss: Die Endkundengeräte oder die entsprechende Technik am Point-of-Sale, also der Ladenkasse des Einzelhändlers.

Derzeit sind von den rund 800.000 im deutschen Einzelhandel installierten Kassenterminals erst ca. 35.000 NFC-fähig. Allerdings haben z.B. Kreditkartenorganisationen bereits ihre Partner verpflichtet, dies schnell zu ändern. So sieht MasterCard einen vollständigen Ausbau seiner 450.000 Akzeptanzstellen bis 2018 vor. Man kann davon ausgehen, dass die Mehrzahl der übrigen Einzelhändler zügig nachziehen wird, wie eine aktuelle Studie des EHI Retail Institute bestätigt.

Nicht die Verbraucher müssen also in Vorlage gehen, der Einzelhandel übernimmt diese Rolle und die damit verbundenen Investitionen.

 

Karte oder Handy?

Nur etwas mehr als fünf Prozent der Kunden bezahlen ihre Einkäufe heute mit Kreditkarten, 36 Prozent nutzen dazu die Girokarte von ihrer Bank.

Doch auch hier gibt es bereits Überlegungen in der deutschen Kreditwirtschaft, diese aufzurüsten und mit einem entsprechenden NFC Chip auszustatten. Ob dies jedoch der richtige Weg ist, darf bezweifelt werden. Wenn schon mobiles Bezahlen, wozu dann noch mit Karte, wenn es per Handy sicherer, einfacher und komfortabler geht?

 

Was macht der Kunde?

Damit stellt sich „nur“ noch die Frage, ob die Kunden das neue Verfahren auch annehmen werden. Derzeit bevorzugen mit fast 55 Prozent die Mehrzahl der Kunden für Einkäufe immer noch das gute alte Bargeld, sehr zum Leidwesen von Banken und Einzelhandel, ist dies doch mit Abstand das teuerste Zahlungsmittel.

Dabei ist Bargeld auch für den Kunden mit Nachteilen verbunden, ist es doch weit unsicherer als andere Zahlungsmittel. Verliert man seine Brieftasche oder wird sie gestohlen, so ist der komplette Inhalt (Geld, Ausweise etc.) meist unwiederbringlich verloren. Kommt eine Karte oder das Handy abhanden, erfolgt einfach eine Sperrung und der Kunde hat i.d.R. keinen weiteren Verlust.

 

Nach einer aktuellen Mobile Payment Studie wollen rund 25 Prozent der Konsumenten mobiles Bezahlen nutzen, 55 Prozent wollen selbst dann nicht mit ihrem Smartphone oder Tablet bezahlen, wenn der Vorgang sicher sei. Überhaupt sind die Punkte Sicherheit und Datenschutz die am weitesten verbreiteten Bedenken bei diesem Thema.

Es wird somit ganz entscheidend darauf ankommen, nicht nur sichere und einfache Lösungen anzubieten sondern die Menschen auch von diesen zu überzeugen. Wenn dies gelingt, steht einem Durchbruch des mobilen Bezahlens nichts mehr im Wege.