easyCredit-Blog

Von Gastblogger unter:
LiquiditätsmanagementTipps und Tricks

KreditkartenGastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

Zahlreichen Studien zufolge ist die Loyalität von Bankkunden in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wäre mehr als die Hälfte der Deutschen bereit, ihr Bankkonto zu wechseln. Schaut man sich jedoch die Realität in den Banken und Sparkassen an, hat jedoch nur ein Fünftel der Kunden in den letzten Jahren diese Absicht tatsächlich umgesetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig, einer der wichtigsten ist jedoch der mit einem Wechsel der Bankverbindung verbundene hohe Aufwand.

 

Viel zu tun beim Wechsel des Bankkontos

Das Girokonto ist für viele Menschen der Dreh- und Angelpunkt für das Management der privaten Finanzen. Das bedeutet, dass eine Vielzahl von Ausgaben über das Girokonto läuft: So z.B. die Kosten für Miete, Telefon, Handy, Strom und Wasser aber auch Beiträge für Versicherungen, Vereine, Abonnements und vieles mehr.

All diese Zahlungen laufen in den meisten Fällen entweder über einen Dauerauftrag oder über Einzugsermächtigungen für Lastschriften und müssen im Falle eines Wechsels umgestellt werden, d.h. entweder muss die Bank oder es müssen Zahlungspartner benachrichtigt werden.

In der Vergangenheit hat ein Bankwechsel eine Menge Arbeit und Ärger und vor allem viel Zeit gekostet. Viele Menschen haben sich daher bislang – trotz vermeintlich besserer Alternativen – gegen einen Wechsel ihrer Bank entschieden.

 

Europäische Union will Bankwechsel vereinfachen

Ein Ziel des vereinten Europas ist es, die Verbraucher besser zu schützen. Das Europäische Parlament hat in diesem Zusammenhang am 15.04.2014 eine neue Richtlinie über Zahlungsdienste verabschiedet, die im September 2016 in Kraft tritt. Diese soll den Vergleich von Kontogebühren transparenter zu machen, den Kontowechsel vereinfachen und jedem Menschen, der sich legal in der EU aufhält, den Zugang zu einem Zahlungskonto mit grundliegenden Fähigkeiten (Basiskonto) ermöglichen.

Ein Kontowechsel soll der Richtlinie zufolge nicht mehr mit einem übermäßigen bürokratischen und finanziellen Aufwand verbunden sein und innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein. Zudem müssen die für den Kontowechsel erhobenen Entgelte angemessen und an den tatsächlichen Kosten des Zahlungsdienstleisters ausgerichtet sein.

Wenn ein Verbraucher sich zukünftig entschließt, sein Konto zu wechseln, wird dies von seinem neuen Zahlungsdienstleister initiiert, sofern der Kunde dazu eine Ermächtigung erteilt hat. Zudem wird der „übertragende Zahlungsdienstleister“, also die Bank, bei welcher das Konto aufgelöst wird, mit eingebunden.

Die neue Richtlinie schreibt vor, dass die abgebende (alte) Bank auf Anfrage der aufnehmenden (neuen) Bank eine Liste aller bestehenden Daueraufträge und sämtliche verfügbaren Informationen zu Lastschrifteneinzugsermächtigungen zur Verfügung stellen muss. Auch muss die alte Bank, spätestens zwei Tage nachdem der Verbraucher die Ermächtigung unterschrieben hat, sämtliche Daueraufträge und Einzugsermächtigungen löschen.

 

Chance für FinTech-Startups

Banken wittern nun ihre Chance, durch die schnelle technische Realisierung eines vereinfachten Kontowechsels, neue Kunden für sich gewinnen zu können. Unterstützt werden sie dabei von innovativen FinTech-Unternehmen, wie dem deutschen FinTech-Startup Fino, das auch mit Genossenschaftsbanken zusammenarbeitet. Dieses bietet eine Möglichkeit, die für einen Kontowechsel notwendigen Schritte schnell und einfach anzustoßen, egal, ob vom heimischen Computer, von einem Smartphone oder Tablet oder gemeinsam mit einen Bankberater.

In einem ersten Schritt werden dazu die Zahlungspartner des Kunden anhand seiner bisherigen Umsätze identifiziert. Ausgewertet werden dabei – auf Basis des bisherigen Onlinebanking-Zugangs – alle Daueraufträge, Lastschriften und andere regelmäßige Zahlungen. Sobald der Kunde die Daten freigibt, informiert der Kontowechsel-Service automatisch alle Zahlungspartner über die neue Kontoverbindung.

Der Kunde bekommt dazu eine Übersicht seines Kontowechsels, um diese auf dem Smartphone (via QR oder SMS-Link), Tablet oder am PC selbst zu unterschreiben (mit der Maus), außerdem gibt es noch die Möglichkeit die Unterschrift mittels Upload hochzuladen.

Der Kunde erhält zum Abschluss eine Kopie der versandten Briefe und eine Anleitung für die Umstellung seiner Daueraufträge.

Kunden, die bislang keinen Onlinebanking-Zugang hatten, sollen mit einem intelligenten Assistenten durch den Kontowechsel-Service geführt werden.

 

Vorteile für Kunden und Bank

Der Vorteil dieser Lösung für die Kunden liegt auf der Hand: Bankkunden müssen ihre Zahlungspartner nicht mehr in mühsamer Handarbeit selbst recherchieren. Das schriftliche Informieren per Post, E-Mail oder Fax entfällt ebenfalls. All das erledigt der Kontowechsel-Service.

Doch auch die Banken haben Vorteile. Nicht nur, dass die Eingliederung neuer Kunden wesentlich vereinfacht und schneller wird, sie erhalten auch zahlreiche Informationen über den neuen Kunden. Dies vor allem dann, wenn das System in einem Gespräch mit dem Kundenberater zum Einsatz kommt.

Man darf gespannt sein, ob diese neue vereinfachte Möglichkeit des Bankwechsels nun dazu führen wird, dass mehr unzufriedene Kunden tatsächlich eine neue Bank suchen.

 

 

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.

    Diskutieren Sie mit:

    * erforderlich (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)