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Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

 

Banner Vermoegen_kleinTraditionell ist der Bereich Geldanlage ein ausgesprochen profitabler Bereich für die Banken und Sparkassen. Allerdings wird von Verbraucherschützern immer wieder kritisiert, dass die Empfehlungen der Institute nicht immer auf den Kundenbedarf passen. Auch wird die Höhe der durch die Banken vereinnahmten Provisionen immer wieder kritisiert und Umfragen zeigen, dass viele Kunden ihren Banken unterstellen, den eigenen Nutzen (sprich Provisionserträge) stärker zu betonen als den objektiven Kundenbedarf.

Hier setzen neue Angebote von FinTech-Unternehmen an, die versuchen, besser, günstiger und transparenter sowie objektiver am Kundenbedarf orientiert zu sein und dazu noch ein angenehmes und leicht verständliches Kundenerlebnis zu bieten. Es lassen sich in diesem Bereich vier unterschiedliche Angebote unterscheiden:

  • Robo Advisory;
  • Social Trading;
  • Anlageplattformen und
  • Vermittlungsplattformen.

Robo Advisory: Der Computer als Anlageberater

Unter Robo Advisory versteht man das automatische Portfolio- und Anlagemanagement auf Basis eines kundenspezifischen Risiko- und Anforderungsprofils. Robo Advisors bieten damit online gestützte Portfoliooptimierung für Privatkunden. Sie funktionieren hoch standardisiert, automatisiert und in der Regel ohne persönliche Interaktionen. Übersichtlich gestaltete, auf das wesentliche reduzierte und verständliche Angebote, die zudem gegenüber traditionellen Angeboten preisgünstiger sind, sollen es Endkunden erleichtern, ihre Spar- und Vermögensziele zu erreichen. Beispiele im Markt sind Start-ups wie Vaamo, Easyfolio, Quirion oder Geldempfehlung. Sie bieten unterschiedliche Ansätze zur Analyse der Bedarfssituation und Erstellung von Musterportfolios auf Basis mehr oder weniger fundierter wissenschaftlich abgeleiteten Portoflio-Modellen.

 

Doch auch in diesem Bereich gilt: Die etablierten Banken schlafen nicht, wie die Union Investment zeigt, die in diesem Bereich vor kurzem mit einem eigenen innovativen Angebot namens VISUALVEST auf den Markt gekommen ist.

 

Social Trading: Schwarmintelligenz für die Geldanlage nutzen

Social Trading setzt auf die sogenannte Schwarmintelligenz sozialer Netzwerke. Der Anlageberater wird hier durch die Community ersetzt. Geldanleger können online die Portfolien anderer Anleger einsehen und in diese investieren oder eigene Strategien oder Baskets entwickeln, in die dann wiederum andere Anleger investieren können.

Von einigen Anbietern werden erfolgreiche Portfoliomischungen sogar als eigenes Wertpapier angeboten und an der Börse handelbar gemacht.

Beispiele für Anbieter sind Wikifolio, Ayondo oder Stockpulse. Ihnen allen ist gemein, dass Anlagestrategien und deren Erfolge transparent und nachvollziehbar gemacht werden.

 

Anlageplattformen: Kick-Backs für den Kunden

Anlageplattformen wie Moneymeets kombinieren verschiedene Elemente, wie bessere Übersicht und den Austausch mit anderen Anlegern (Community-Gedanke). Sie bieten den Anlegern zudem im Vergleich mit Banken deutlich günstigere Preise, indem sie z.B. Bestandsprovisionen von Fondsgesellschaften an Kunden weiterreichen.

 

Vermittlungsplattformen: Einfacher Weg zur Geldanlage

Vermittlungsplattformen wie Weltsparen, Zinspilot oder Savedo wollen die Geldanlage im Ausland vereinfachen und vermitteln Anlegern Fest- oder Tagesgeldangebote bei ausländischen Banken, die einen höheren Zinssatz versprechen.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Vergleichs- und Bewertungsportalen im Inland, die den Kunden den Weg zu vermeintlich guten Angeboten weisen und direkt auf die Anbieter überleiten. Auch, wenn damit kein eigenes Produktangebot verbunden ist, erhöhen solche Angebote den Wettbewerb auf die Konditionen und damit auf die Margen der Banken und Sparkassen.

 

Einfach und Ertragreich versus Risiko und Regulierung

Kunden übertragen zunehmend ihre Erwartungen und Gewohnheiten aus dem Online-Shopping in anderen Branchen auf die Banken und Sparkassen. Sie erwarten Lösungen, die

  • einfach,
  • bequem,
  • erlebnisorientiert,
  • multikanalfähig,
  • transparent,
  • preiswert und
  • vor allem nutzenstiftend sind.

Die neuen Anbieter versuchen mir ihren Angeboten gezielt, diesen Bedarf aufzugreifen. Dabei sollten die Kunden jedoch zwei Dinge nicht übersehen:

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Banken und Sparkassen unterliegen FinTech-Unternehmen bislang keiner oder nur einer eingeschränkten Kontrolle durch die gesetzliche Bankenaufsicht. Zwar hat der Gesetzgeber dieses Problem erkannt, bis eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden ist, dürfte allerdings noch einige Zeit in Land gehen.

Der zweite Aspekt betrifft die mit einer Geldanlage verbunden Risiken. Auch für Anlagen bei bzw. über FinTech-Unternehmen gilt die goldene Regel, dass mit höheren Erträgen zwangsläufig höhere Risiken verbunden sind. Daher sollten Anleger immer kritisch prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen.

 

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.