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Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

FinTech Start upsSeit rund fünf Jahren ist im Finanzsektor ein neuer Trend zu beobachten: Sogenannte FinTech Start-ups versuchen, mit ihren Lösungen in die traditionelle Sphäre der Banken und Sparkassen einzudringen. Der Begriff „FinTech“ ist ein Kunstwort, das sich aus den Begriffen „Financial Services“ und „Technologie“ zusammensetzt.
Dahinter verbergen sich junge innovative Unternehmen, die Produkte und Leistungen im Finanzdienstleistungsbereich über den Vertriebskanal Internet anbieten und damit versuchen, den etablierten Finanzinstituten Kunden komplett oder zumindest in bestimmten Bereichen abzujagen.

Finanziert werden diese Unternehmen vor allem über Venture Capital. Seit 2008 haben sich die weltweiten Investitionen in FinTech Unternehmen auf fast drei Mrd. US $ verdreifacht und in 2018 werden die weltweiten Investitionen in diesem Bereich auf acht Mrd. US $ steigen, so eine aktuelle Studie.

Die wichtigsten Standorte sind sicherlich New York und London, doch auch bei uns gibt es immer mehr dieser neuen Anbieter. Eine Zusammenstellung zeigt, dass es über 100 FinTech Start-ups im DACH-Raum gibt.

 

Zwei Typen von FinTech Start-ups

Fintech Start-ups versuchen neue Angebote zu kreieren, bei denen digitale Technologien und Finanzdienstleistungen so miteinander verbunden werden, dass für den Kunden ein zusätzlicher Nutzen entsteht.

Sie decken dabei fast das komplette Spektrum an Bankleistungen ab. Insbesondere in den folgenden vier Schwerpunktbereichen sind sie aktiv:

  • Payment und Zahlungsverkehr.
  • Persönliches Finanz Management (PFM).
  • Trading- und Beratungsplattformen für die Vermögensanlage.
  • Neue Ansätze zur Finanzierung und Kreditvergabe.

Beim Angebotstyp lassen sich die folgenden zwei Schwerpunkte erkennen:

  • Zum einen gibt es sogenannte Aggregatoren. Diese führen Informationen oder Bankverbindungen der Kunden zusammen, um den Überblick über die persönlichen Finanzen zu verbessern.
  • Zum anderen gibt es die sogenannten Optimierer. Diese bieten entweder völlig neue Leistungen an oder verbessern vorhandene Leistungen durch transparentere oder günstigere Preismodelle und/oder eine einfachere Darstellung.

 

Vorteile und Nachteile der FinTech Start-ups

Ein großer Vorteil ist die Losgelöstheit der Leistungen von der komplexen Infrastruktur und Technologie der etablierten Banken. Während diese neue Lösungen stets in ihre alte IT Umgebung einpassen müssen, können die jungen Unternehmen viel flexibler und damit kostengünstiger agieren.

Sie sind daher mit ihrem Angebot meist deutlich einfacher, bequemer, schneller und stärker am Kunden orientiert als die traditionellen Banken und Sparkassen. Zudem bieten sie Preisvorteile.

Gravierender Nachteil (zumal aus Kundensicht) der FinTech Startups ist, dass sie i.d.R. nicht der gesetzlichen Regulierung und Kontrolle unterliegen. Somit ist die Sicherheit der Daten meist intransparent bzw. die Datenschutzbestimmungen extrem unkonkret. Dort, wo die Erfüllung von Regulatorik doch notwendig ist, haben sich einige Unternehmen mit bestehenden Banken zusammengetan, um deren bestehende Banklizenz für ihr Angebot zu nutzen.

 

Vertrauen ist wichtig

Die neuen Unternehmen bieten den Kunden vielfältige attraktive Angebote, deren Nutzen schnell erkennbar wird. Ob es ihnen gelingt, damit nachhaltig das Kundenverhalten zu ändern und eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Banken und Sparkassen zu werden, werden die nächsten Jahre zeigen.
Ein besonders wichtiger Faktor im Finanzbereich ist Vertrauen, vor allem im Geschäft mit Endkunden. Es dauert lange, dieses Vertrauen aufzubauen. Noch müssen FinTech Start-ups den Beweis erbringen, dass ihnen dies gelingt und sie damit auch die Kunden zu sich locken können. Dazu benötigen sie einen langen Atem und das notwendige Kapital.

Die Banken selbst haben den Warnschuss gehört und werden die Zeit nutzen, um ihrerseits entsprechende Angebote zu entwickeln… Denn Banking wie heute, wird es in dieser Form in 10 Jahren nicht mehr geben.

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.