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Von Manuel Mazoll unter:
Finanzielle Bildung

Wir treffen einen Nerv, das merke ich an den Rückmeldungen. Im Rahmen unserer Fanpreis-Kampagne unter dem Motto „Geld ist zu wichtig, um nichts darüber zu wissen“ erhalten wir vielfach motivierendes, zustimmendes und bejahendes Feedback. Dabei waren viele der Aussagen durchaus provokativ: Wir können Goethe interpretieren, nicht aber unsere Kontodaten. Oder: Wir lernen in der Schule etwas über Funktionen, wissen aber nicht wie eine Börse funktioniert. Oder aber: Wir wollen zusammen alt werden, wissen aber nicht wie Rente geht.

Dabei gibt es bereits unzählige Möglichkeiten, sich mit dem Thema zu befassen – und das mit dem Zeitgeist entsprechenden und überhaupt nicht trockenen Ideen und Projekten. Von trendigen Gründungsideen, über die aktive Migration bis hin zur digitalen Auseinandersetzung mit Bildung – Finanzwissen zu erlangen und sich fürs Leben zu rüsten kann auch kreativ und hip sein.

Der 6. Preis für Finanzielle Bildung war auch in dieser Ausgabe wieder ein Indiz dafür. 563 Projekte der finanziellen Bildung mit außerordentlich kreativen und nachhaltigen Ansätzen in einer enormen Bandbreite wurden in diesem Jahr eingereicht, viele davon sind in jeder Form nachahmenswert.

Warum finanzielle Allgemeinbildung?

Knapp 25 Millionen Suchergebnisse liefert mir Google bei meiner Suche nach finanzieller Bildung. Das unterstreicht deutlich die Bedeutsamkeit der Thematik. Dabei sind viele der Suchergebnisse alarmierend. Einer Studie der GfK für den Bundesverband Deutscher Banken zufolge hat jeder Dritte (31 Prozent) der 14- bis 24-Jährigen schon einmal Schulden gemacht – vor drei Jahren waren es noch 22 Prozent. Trotz der ansteigenden Schulden, zeigen Studien auch, dass sich Jugendliche in Deutschland gern um ihre Finanzen kümmern und zudem Geld zur Seite legen. Auch Wirtschaftsthemen werden für junge Menschen wieder interessanter.

Aktuell sind rund 7 Millionen Menschen überschuldet. Die durchschnittlichen Schulden der verschuldeten Privathaushalte liegen bei 32.500 Euro (im Jahr zuvor bei 1.000 Euro weniger). Insgesamt beliefen sich letztes Jahr die Verbindlichkeiten der Privathaushalte in Deutschland auf eine Summe von rund 1,6 Milliarden Euro. Die Privatinsolvenzen belaufen sich aktuell auf rund 84 Tausend Fälle in Deutschland.

Es sind zu großen Teilen beunruhigende Zahlen – und doch fühlen wir uns dadurch umso mehr in unserem Handeln bestätigt, uns für das Wissen um finanzielle und wirtschaftliche Zusammenhänge weiterhin aus ganzer Kraft einzusetzen. Aus dieser Motivation heraus unterstützen wir von easyCredit mit dem Preis für Finanzielle Bildung auch gemeinsam mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken besondere Projekte der finanziellen Bildung in Deutschland und Österreich – und zeichnen herausragende Ideen und Maßnahmen bei der jährlich stattfindenden Preisverleihung aus.

Gründung, Migration, Digitalisierung – Finanzielle Bildung greift aktuelle Themen auf

Die Projekte des diesjährigen Preis sind allesamt weit entfernt von Frontalunterricht, den man aus der Schule kennt, sondern punkten durch unternehmerische und spielerische Ansätze. Vor allem das Thema Gründung mit Schülergenossenschaften, Schülerfirmen oder zu entwickelnden Geschäftsmodellen ist ein großer Gewinner 2016.

Solche Genossenschaften oder Firmen organisieren sich zumeist komplett selbst und erfahren dabei praktisch und anschaulich unternehmerisches, kaufmännisches Handeln von der Pike auf.

Besonders umfangreich wird das Thema beim Preisträger SITI aus Havelberg praktiziert. In sechs technologieorientierte Schülerfirmen mit je eigenem Profil werden Produkte entwickelt, produziert und verkauft. Die Schülerfirmen vernetzen sich damit zunehmend und realisieren Prozesse wie in der realen Wirtschaft von der Idee zu einem neuen Produkt bis hin zur Einzel- oder Serienproduktion. Dafür wurden eine selbstentwickelte Buchhaltungssoftware sowie eines kleinen Warenwirtschaftssystem eingesetzt. Preiskalkulation, Angebotserstellung, Rechnungslegung, Kommissionsverkauf, offenen Posten-Verwaltung und eine Gewinn-Verlust-Rechnung werden realitätsnah erlernt und praktiziert.

Siegerprojekte Finanzielle Bildung 2016

Ein anregendes Beispiel für die Entwicklung eines Geschäftsmodells ist der Fanpreis-Gewinner „30 Tage – 300 Euro“, bei welchem 12 Schulklassen innerhalb eines festen Zeitrahmens die Aufgabe haben, ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Dieses muss Aspekte wie Wirtschaftlichkeit/Nachhaltigkeit, Kreativität und soziales Engagement berücksichtigen. Hier sind Kreativität und unternehmerisches Denken gefragt. Jede Schulklasse bekommt den Betrag von 300 Euro ausgezahlt, 50 Prozent sind ein nicht rückzahlbarer Zuschuss und 50 Prozent Prozent Anschubfinanzierung.

Mit dabei ist auch wieder das Adventure-Game „Cure Runners“, das finanzielle Bildung auf die mobilen Endgeräte bringt: Jung und Alt tummeln sich in einer grafisch aufwendig gestalteten, dunklen Spielewelt und treffen hier Entscheidungen, die dem realen Leben entrissen scheinen. Die Spieler werden dabei aber immer durch Workshops und Diskussionsrunden begleitet.

Unter den Preisträgern sind auch Projekte, die die Themen Migration und Finanzwissen geschickt verknüpfen – durch die Einbindung von Flüchtlingsklassen in die Schülergenossenschaft der Schulcafeteria oder durch Weiterentwicklung einer Frauenseminarreihe für Frau mit und ohne Migrationshintergrund hin zu einem Catering-Unternehmen, bei dem Geldthemen in der Kalkulation und Logistik praktisch zu erfahren sind.

Unsere Preisträger haben es wieder geschafft, zeitgemäß und kreativ wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge bedarfsgerecht und flexibel in Projekten umzusetzen.

Mehr zum Preis und den Preisträgern findet sich unter www.finanzielle-bildung-foerdern.de