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Von Gastblogger unter:
Nachgefragt bei...Produkte

„…this technology is borderless…“ und recht hat sie, auch wenn ich mir die konkrete Funktionsweise der Technologie zum schnellen, länderübergreifenden Geldtransfer noch immer nicht so richtig vorstellen kann. Elizabeth Rossiello gibt sich, mit für die Veranstaltung ungewöhnlichem amerikanischem Akzent, die beste Mühe auf einfach Weise zu erklären was diese „Blockchain“ eigentlich ist.

Was mich außer diesem „Journal der Buchführung“ verteilt auf tausenden von Datenbanken weltweit noch fasziniert, wie eine Amerikanerin dazu kommt auf der „Cards & Payments Africa 2016“ Konferenz in Johannesburg zu referieren. Ein kurzer Blick ins „Internet“ klärt, zumindest grob auf. Die gebürtige New Yorkerin hat einiges mit Credit Suisse und anderen Banken in der Welt „erlebt“. Nun ist sie seit über sechs Jahren mit ihrer Firma BitPesa dabei den internationalen Zahlungsverkehr von Nairobi aus zu revolutionieren.

Doch was macht ein Mitarbeiter aus der IT der TeamBank auf einer Konferenz zu Innovationen im Bankenumfeld in Afrika?kapstadt Das Konzept dazu, nennt sich „Learning Journey“. Die Idee die dahinter steckt ist: „…für einen begrenzten Zeitraum den gewohnten Arbeitsalltag zu verlassen und sich für die eigene Aufgabe in einem anderen Umfeld inspirieren zu lassen…“.

Warum Südafrika? Infrastrukturbedingt ist die Mobiltelefon-Dichte auf dem afrikanischen Kontinent sehr hoch. Kostenbedingt ist die „Bankkonten-und-Kreditkartennutzungs-Dichte“ sehr gering. Diese Voraussetzungen sind guter Nährboden für innovative Produkte wie z.B. M-Pesa dem Mobilfunk basiertem Bezahlverfahren aus Kenia, welches seit 2010 auch in Südafrika angeboten wird. Mein Kollege Florian Zenk erklärt M-Pesa in seinem Blogbeitrag

Während der Vorbereitung für einen Urlaub in Schottland bin ich beim Sender einsPlus bei der „alternativen Reisesendung“ „Auf 3 Sofas durch…“ hängen geblieben und war begeistert. Inspiriert durch diese Sendung entstand der gut zu unserem Motto „Vom Kunden her gedacht“ passende titel zu meiner Learning Journey:

Couchsurfing Safari to explore Banking and Information Technology Treasures of South Africa

Alleine die Vorbereitung des Abenteuers war ein Spaß für sich und auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle – von himmelhoch jauchzend, weil ein spannender Gesprächspartner endgültig zugesagt hat bis zu „#!@?!&$!“ warum reagiert der „Mensch“ einfach nicht auf meine Anfragen?

Die Mühen haben sich jedoch gelohnt und bis zu meinem Abflug hatte ich für meine zwei Wochen eine Buchung für eine zweitägige Konferenz und 15 Termine mit Kontakten aus dem Banken, IT und „Sofa“ Umfeld. Die kompletten zwei Wochen zu berichten, würde den Rahmen sprengen, aber die Highlights der Reise möchte ich gerne vorstellen.Couch Surfing Afrika

Warming-up – Cards & Payments Africa 2016 Konferenz in Johannesburg

Die „Cards & Payments“ Konferenz ist eine Mischung aus Ausstellung von z.B.: Geldautomatenherstellen, Bezahlkarten-Herstellern oder Payment-Service-Providern und Vorträgen von Firmenvertretern, die dadurch sozusagen „Werbung durch Kompetenz“ für ihr Unternehmen machen. Neben der bereits erwähnten Elizabeth Rossiello von BitPesa referierte, Sean Ryan VP, facebook Africa über die Herausforderungen als „Payment Plattform“ auf einem Kontinent wo Kreditkarten sehr, sehr wenig verbreitet sind. Derek Wiggill, CEO der QR-Code basierten Bezahlplattform Zapper plädierte für eine „nahtlose“ Verschmelzung von Bezahlverfahren und Programmen zur Kundenbindung. Wenn ich da an meine Kartenschlachten an Tankstelle und Supermarkt denke macht das durchaus Sinn, wäre klasse wenn meine Bank potentielle Punkte automatisch summieren würde. Zapper soll bald auch in Deutschland verfügbar sein. Sind wir gespannt, ob seine Ideen von automatischen Gutscheinen, nur durch Nutzung des Bezahlverfahrens Realität werden. In die gleiche Kerbe schlug auch Ryan McGee, VP Africa des Payment Security Experten Entersekt. Mobiles Bezahlen und Kundenbindung gehören für ihn zusammen und jedes Unternehmen, welches den „mobilen Bezahlkanal“ bespielt, sollte sich Gedanken machen das Leben der Kunden mit Angeboten speziell für diesen Kanal zu bereichern.

First National Bank – world’s most innovative bank of the year at the 2012_

FNBNach der aufschlussreichen Konferenz mit Vertretern vom ganzen Kontinent begann meine eigentliche Lernreise in Südafrika. In Johannesburg wollte ich mich noch unbedingt mit Peter Alkema, dem CIO für Business Banking bei der First National Bank (FNB) treffen. Die FNB hatte 2012 in Washington DC den BAI Global Banking Innovation Award für eine innovationsfördernde Mitarbeiterkultur erhalten, außerdem kann man als FNB Kunde seit 2009 mit dem eWallet, Geld an ein Mobiltelefon überweisen, ohne dass der Empfänger ein Bankkonto benötigt. Ein weiteres innovatives Produkt ist das FNB-Bonusprogramm eBucks. Einer meiner Couchsurfing Gastgeber konnten auch bestätigen, dass dieses Programm wirklich Relevanz hat, da er z.B. seine Waschmaschine im eBucks online Shop der FNB gekauft hatte.

Was mich speziell bei Peter Alkema interessierte, waren die „CodeFests“, auch Hackathons genannt, die er organisierte. Ziel eines Hackathons ist es, Innovation zu fördern indem Fachbereich, Software-Entwickler und Software-Design Experten intensiv über nur wenige Tage eng, im Sinne von alle in einem Raum, in mehreren Teams zusammenarbeiten. Was dabei rauskommt sind direkt vorführbare Produktideen. Das erste Codefest der FNB im März 2015 bestand aus 150 Teilnehmern, das Gewinnerteam entwickelte eine virtuelle Kreditkarte mit optimierter Betrugserkennung. Das zweite Codefest fand im September 2015 statt, einen Eindruck wie sowas dann „aussieht“ kann man auf Youtube erleben.

Capitec Bank –„Simplicity is the ultimate Sophistication“

capitecEine weitere Station war die Capitec Bank, bei dem ich mehr über das „Erfolgsgeheimnis“ der Bank erfahren wollte. Das Geheimnis ist auch nicht wirklich ein Geheimnis, sondern die konsequente Umsetzung ihres Slogans „Simplicity is the ultimate Sophistication“. Capitecs Bankprodukte und auch das Gebührenmodel sind von Grund auf bewusst einfach gehalten. Ziel war es Kunden im unteren „Einkommensbereich“, nicht nur mit günstigen Kontoführungsgebühren zu überzeugen, sondern auch insgesamt durch die „Einfachheit“ Kosten in den IT-Systemen und auch letztlich bei der Schulung von Mitarbeitern in den Filialen einzusparen.

Ein weiterer differenzierender Aspekt der Capitec Bank ist, dass man in der Filiale „neben“ dem Kunden vor dem Bildschirm berät und das Ziel verfolgt durch eine möglichst hohe Erstlösungsquote dem Kunden bei jedem Kontakt eine Lösung zu bieten. Neukunden mit Kreditwunsch können so z.B. bei entsprechender Kreditwürdigkeit, mit einer festen Auszahlungszusage die Filiale verlassen. Details zu den Konditionen und Voraussetzungen für einen Kredit sind u.a. mit Flyern in vier Sprachen bei Capitec auf der Website beschrieben.

Vom Sofa her erlebt

Neben den spannenden geschäftlichen Terminen war es eine besondere persönliche Bereicherung bei „ganz normalen“ Leuten vor Ort zu übernachten. Ich habe erlebt wie eine aus Simbabwe zugewanderte Familie wohnt und was ihnen im Leben wichtig ist und wurde von anderen Gastgeber spontan zu einem Geburtstags-BBQ mit der gesamten Familie freundlichst eingeladen. Mit einem Couchsurfer hatte ich einen unvergesslichen Abend auf der Terrasse beim Italiener in Kapstadt als er mir seine Sicht auf die Kultur der westlichen Welt, im Kontext der Softwareentwicklung für Finanzunternehmen erklärte. Es war faszinierend die eigene Kultur aus einem anderen Blickwinkel, bei wirklich gutem Fisch, erklärt zu bekommen. Persönliche Erlebnisse wie diese und ungefilterte Einsichten in Privat- und Arbeitsleben sind genau das was Reisen so großartig macht.

 

Martin Stradtner

Über den Autor: Wenn Martin Stradtner nicht gerade auf den Sofas in Afrika unterwegs ist, arbeitet er bei easyCredit als IT-Koordinator oder macht es sich auf der heimischen Couch mit der Familie gemütlich.

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