easyCredit-Blog

Von Manuel Mazoll unter:
Finanzielle BildungLiquiditätsmanagement

Schon ein lustiges Völkchen, diese Schweden. Ich stehe mit meinem Astrid-Lindgren-20-Kronen-Schein – auf dem übrigens Pippi Langstrumpf rumspringt – vor einem Imbisstruck in der schwedischen Einöde und der junge Mann mit blonder Wallemähne im Wagen schaut verwirrt auf meinen Schein und deutet mit seinem Kopf auf das Miniaturkartenlesegerät nebenan. Na gut, dann halt wieder mit Karte.

Gefühlt habe ich auf meinem Roadtrip durch Skandinavien meine EC- und Kreditkarten häufiger genutzt, als all die Jahre zuvor zusammen. Langsam mache ich mir sogar Sorgen um etwaige Abnutzungserscheinung an meiner heiligen VISA-Karte.

In Schweden zahlt man vom Lachs-Krabben-Brötchen bis zum Almosen für Obdachlose eigentlich alles mit Karte. Kleinere private Beträge werden mobil per Swish-App ausgetauscht. Ist an einem Marktstand nur Bargeldzahlung möglich, entschuldigt sich die junge schwedische Verkäuferin eingehend für die Umstände. Verrückt. Und in Deutschland undenkbar.

Schwedenurlaub: Bargeld oder Kreditkarte?

Hierzulande steht Bargeld für ein Freiheitsgefühl und signalisiert einen freien, nicht nachvollziehbaren Umgang mit Geld. Es muss ja schließlich nicht jeder wissen, wofür ich mein hart Erspartes verbrate. Das würde sich natürlich beim bargeldlosen Zahlen schlagartig ändern – jeder hat dann auch hier eine digitale Spur. Und die Deutschen trauen dem Datenschutz noch nicht genug über den Weg. Wer weiß, was alles passieren kann.

Die Schweden ticken hier traditionell etwas anders. Durch das seit 1766 in der Verfassung verankerte Öffentlichkeitsprinzip kann prinzipiell jeder Einsicht in Akten und Dokumente schwedischer Bürger nehmen und erfährt dabei bis hin zum Gehalt seines Nachbarn so gut wie alles. Aus einer solchen kulturellen „Vorbelastung“ heraus scheinen die möglichen Nachteile der bargeldlosen Welt reichlich unspektakulär.

Beim Plausch in Stockholm und Göteborg erfahre ich dann auch, dass bargeldloses Zahlen für die meisten jungen Leute nicht nur praktisch, sondern auch hip ist. Kaum einer von ihnen trägt noch Bargeld mit sich rum. In meiner Funktion als Bewacher der finanziellen Bildung frage ich natürlich auch nach, ob einem ein solcher Umgang mit Karte, Smartphone & Co. nicht die Übersicht über die eigene finanzielle Situation raubt. Der Schwede zückt sein Mobiltelefon, auf dem mit einem Klick in einer Banking-App sauber Einnahmen und Ausgaben aufgelistet sind und fragt keck: „Nein, warum?“.

Man kann den Überblick über seine Finanzen halt nicht nur durchs Abzählen der Bargeldreserven bewahren. Genauso wenig wie wir leugnen können, dass wir in einer bargeldlosen Welt dem gläserner Bürger einen Schritt näherkommen.