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Von Gastblogger unter:
AllgemeinFinanzielle Bildung

Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring

 

Anleger durchleben derzeit schwierige Zeiten. Vor kurzem hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf den historischen Tiefstand von Null Prozent abgesenkt. Deutsche Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bieten aktuell nur noch 0,2 Prozent Rendite. Und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass die Zinsen in absehbarer Zeit wieder steigen könnten.

Viele Menschen fragen sich damit, ob sich Sparen überhaupt noch lohnt.

Und viele Menschen machen sich auch Gedanken, ihr Geld an der Börse zu investieren und suchen nach attraktiven Möglichkeiten einer Geldanlage in Aktien.

 

Neben vielen ernsthaft gemeinten Anlagevorschlägen und Empfehlungen gibt es auch allerlei Skurrilitäten rund um die Börse. Einige davon möchte ich Ihnen heute vorstellen.

 

Affen sind die besseren Anlageberater

Seit Jahrzehnten gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen sollen, dass Affen bessere Anlageberater als Menschen sind.

Bereits 1973 ließ Professor Burton Malkiel von der renommierten Princeton University einen Affen mit verbunden Augen Dartpfeile auf den Börsenteil einer Zeitung werfen. Ein auf diese Art zusammengestelltes Aktienportfolio lieferte zur allgemeinen Überraschung eine bessere Rendite als eine von Experten zusammengestellte Aktienauswahl.

1988 überprBild1üfte das Wall Street Journal die Ergebnisse mit einem Pfeilwurf-Wettbewerb. Redakteure des Magazins fungierten als Affenersatz. Ihre Portfolien wurden nach sechs Monaten mit den Ergebnissen von professionellen Vermögensverwaltern verglichen. Nach 100 Runden siegten die Profis immerhin in 66 Prozent der Fälle.

2002 stoppte das Wall Street Journal den Wettbewerb, kam aber zu der Erkenntnis, dass es keinen wirklichen Gewinner gab, da es verschiedene Faktoren gab, die das Ergebnis und somit die Objektivität der Tests in die eine oder andere Richtung beeinflussten.

Der jüngste Test stammt aus dem Jahr 2013. Wissenschaftler der renommierten Cass Business School in London haben darin herausgefunden, dass Affen Aktien-Indizes besser konstruieren können als Menschen. Die (per Computer simulierten) Primaten durften jeweils 1000 Aktien aus einem riesigen Angebot auswählen. Diese 1000 Zufallstitel wurden zu einem Index verbunden und gewichtet. In einer Rückrechnung über einen Zeitraum von 43 Jahren übertrafen die Affen den Index und damit menschliche Experten in allen 13 untersuchten Börsenbarometern.

 

Die Mode als Indikator für Kursschwankungen

An der Wall Street gibt es Investoren, die ganz genau auf die jeweils aktuellen Modetrends achten. Einige davon glauben an die Aussagekraft des sogenannten „Rocksaum-Indikators“. Der besagt, dass Kurse dann ansteigen werden, wenn die Kleider kürzer werden, also der Rocksaum nach oben geht. Dieser Zusammenhang wurde erstmals 1920 beobachtet und 1998 sogar vom renommierten Institut für Demoskopie in Allensbach als Minirock-Index bestätigt.

Ein rasanter Anstieg der Lippenstift-Verkäufe wäre hingegen ein Indikator für fallende Kurse. Der sogenannte Lippenstift-Index wurde 2001 durch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Leonard Lauder des US-amerikanischen Kosmetikkonzerns Estée Lauder geprägt. Er basiert auf der Beobachtung des Verkaufs von Lippenstiften. Auch in wirtschaftlich harten Zeiten, in denen für größere Anschaffungen die Mittel fehlen, wollen Frauen sich wohlfühlen, so die Beobachtungen, und kaufen daher vermehrt (preiswertere) Lippenstifte statt andere (teurere) Modeartikel.

Und es sind noch weitere Einflüsse von Mode auf Aktienkurse untersucht worden:

In Japan gab es Untersuchungen, dass Kurzhaar-Frisuren bei Frauen auf sinkende Konjunktur und Börsenkurse hinweisen. Und wieder eine andere Untersuchung soll gezeigt haben, dass je schmalere Krawatten gefragt sind, desto besser die Chancen für Kursgewinne seien.

 

Das Wetter und die Aktienkurse

Nicht weniger interessant sind die festgestellten Zusammenhänge zwischen Börsenkursen und dem Wetter. So gab es eine Untersuchung, die für den Zeitraum zwischen 1890 und 1940 in einem 10-Jahresintervall einen Zusammenhang zwischen den Regenfällen im schweizerischen Bern und der Entwicklung der Aktienkurse an der Wall Street feststellte. Je höher die Niederschlagsmenge, desto höher stiegen auch die Aktienkurse.

2010 legte ein Professor der Technischen Universität Darmstadt seine Theorie der Wetterfühligkeit von Aktienkursen vor. Die Stimmung von Aktienhändlern hängt demnach unter anderem vom Wetter ab. Ihre Laune schlägt sich in ihrer Risikoneigung und den Aktiennotierungen nieder. Gutes Wetter sorge daher auch an den Märkten für gute Stimmung.

Und auch der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Edward Saunders kommt für die New York Stock Exchange zu dem Ergebnis, dass schlechtes Wetter einen negativen Einfluss auf den Kursverlauf hat. Zwischen der Bewölkungsdichte in New York City und der täglichen Wertentwicklung des Dow-Jones-Index bestehe ein statistisch signifikanter Zusammenhang: Je bewölkter der Himmel über der Stadt, desto enttäuschender falle der Wertzuwachs aus.

Das Forscherduo David Hirshleifer und Tylor Shumway bestätigen dies mit ihrem Ergebnis, dass Aktienkurse bei blauem Himmel besonders häufig steigen.

 

Der Unterschied zwischen Ursache und statistischem Zusammenhang

Schon der berühmte Börsenguru André Kostolany hat darauf hingewiesen: Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere sei Psychologie. Eine Vielzahl von Büchern beschäftigt sich denn auch mit dem Thema „Psychologie der Geldanlage“.

Auch bei den genannten Untersuchungen spielt die Wahrnehmung eine gewisse Rolle. Zu bedenken ist nämlich der Unterschied zwischen einem statistisch zu beobachtenden Zusammenhang zweier Ereignisse und deren möglichen ursächlichen Abhängigkeit voneinander.

Vielleicht haben die Erfinder der Chaostheorie ja recht, wenn sie behaupten, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings oder der sprichwörtlich umgefallene Sack Reis in China bei uns ungeahnte Folgen haben kann. Zu bedenken ist jedoch, dass es nicht nur einen einzigen Schmetterling gibt sondern Zig-Millionen, die man beobachten kann, um daraus Schlussfolgerungen, auch auf die Entwicklung von Aktienkursen zu ziehen.

 

Über den Autor:

Dr. Hansjörg Leichsenring Dr. Hansjörg Leichsenring (www.hansjoerg-leichsenring.de) ist Experte für Banking, Innovation, Change Management, Social Media und Persönliches Finanz Management. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bankbereich, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse sowie als Geschäftsführer eines Online Brokers verfügt er über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen in den Bereichen (Interims)Management, Beratung/Consulting sowie Persönliches Finanz Management an. Außerdem ist er Herausgeber des Bank-Blogs (www.Der-Bank-Blog.de) sowie gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.